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Lehrerfortbildung
Der Standpunkt der Betrachtung: Die Aufarbeitung der NS-Zeit und deren Auswirkung auf die Nachkriegszeit aus weiblicher Perspektive

Themen:
NS-Zeit, Nachkriegszeit, Geschlechterbeziehungen, weibliche Identität, Rassismus, Antisemitismus, Judentum, Kindheit, Generationenverhältnisse, Autobiographie, Dokument und Fiktion

Inhalte:
In den 1980er Jahren setzten sich einige damals junge Regisseurinnen filmisch mit den Auswirkungen von NS-Diktatur und Krieg auf ihr eigenes Leben auseinander. Diese Filme gehören zu den ersten filmischen Aufarbeitungen dieser Zeit. Sie widmen sich der Frage, wie die historischen Ereignisse die eigene Kindheit, die Beziehungen zwischen den Generationen und Geschlechtern prägen, und wie sie noch die Gegenwart der deutschen Gesellschaft hineinreichen: wie das Vergangene verdrängt und Traumata weitergegeben wurden. In ihren Filmen suchten diese Regisseurinnen nach einer eigenen Stimme und versuchten sich von den Nachwirkungen der Vergangenheit zu emanzipieren, auch indem sie nachkommende Generationen adressieren. Diese autobiographischen Perspektiven fungierten als Gegenerzählungen zur offiziellen Geschichtsschreibung. Statt historische Ereignisse zu re-inszenieren, werden die Spuren der Geschichte im eigenen Leben, wird das Vergangene in der Gegenwart, das Gesellschaftliche im Individuellen aufgespürt.

In der Gegenüberstellung von zwei dieser Filme: dem Spielfilm DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER, von Helma Sanders-Brahms und dem Dokumentarfilm IM LAND MEINER ELTERN von Jeanine Meerapfel widmet sich die Fortbildung der filmischen Darstellung von Geschichte. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Standpunkt der Betrachtung: Inwiefern zeigt sich in der filmischen Form die Perspektive aus der Geschichte erzählt und vermittelt wird? Wie wird mit dokumentarischen Zeugnissen, Filmmaterialien, Tondokumente, reale Schauplätzen umgegangen? Welche Rolle spielt die Person und Stimme, die uns etwas erzählt? Dies ermöglicht auch über den eigenen Standpunkt der Betrachtung und über die Re-Konstruktion von Geschichte nachzudenken.

DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER (Regie: Helma Sanders-Brahms, BRD 1980)

„DEUTSCHLAND, BLEICHE MUTTER (Helma Sanders-Brahms, D 1980) stellt […] den Versuch dar, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus weiblicher Perspektive neu zu schreiben. Sanders-Brahms verfilmt darin das Leben ihrer Mutter, als Geschichte des Alltags, des Überlebens und der Entfremdung vom Ehemann in Kriegs- und Nachkriegszeit. Statt einer Abrechnung mit den Tätern des Nationalsozialismus, wie sie die Studentenbewegung vorantrieb, versucht sie eine einfühlende Auseinandersetzung mit der Elterngeneration. Sie thematisiert die schuldhafte Verstrickung, aber auch das Erleiden der historisch-politischen Situation und das Nachwirken der Kriegserfahrung auf folgende Generationen.“
Bettina Henzler: Stimmen der Geschichte, in: Nachdemfilm.de Nr. 14, 2015.

IM LAND MEINER ELTERN (Regie: Jeanine Meerapfel, BRD 1981)

„Berlin 1980. Einschusslöcher an den grauen Hausfassaden, die Ruinen des Ephraimpalais, Baulücken und Brandwände zeugen noch von der gewaltsamen deutschen Vergangenheit. Jeanine Meerapfel, Tochter deutsch-jüdischer Emigranten, die in Argentinien aufwuchs und zum Filmstudium nach Deutschland ‚zurückkehrte‘, geht hier auf Spurensuche nach ihren Wurzeln. Kann das Land ihrer Eltern auch ihr Land sein? Sie befragt Menschen, die aus England, Frankreich, der Ukraine, Litauen, der Türkei gekommen sind, wie es ist, heute als Juden und Eingewanderte in Deutschland zu leben. Sie filmt die Orte, die ihnen wichtig sind – Hinterhofwohnungen, Küchen, Werkstätten – und die Feste, die sie feiern. […] Entstanden ist das faszinierende Dokument einer Identitätssuche und ein Porträt der Berliner Stadtlandschaft der 1980er Jahre, dessen gesellschaftspolitische Analyse angesichts des heute erstarkenden Rechtsradikalismus auf beunruhigende Weise aktuell ist.“
Bettina Henzler, in: Programmheft Zeughauskino Herbst 2021.

 

Termin
02.12.2022
13:30–17:30 Uhr

Ort
Filmmuseum Potsdam, Breite Straße 1A, 14467 Potsdam

Zielgruppe
Lehrer*innen und Lehramtsstudierende der Fächer Geschichte, Politische Bildung, Kunst und Deutsch

Kontakt
i.brombach@filmmuseum-potsdam.de

Anmeldehinweise
Anmeldung bis zum 20.11.2022
(Bitte um vollständigen Namen, Kontakt und Beruf). Begrenzte Anzahl der Teilnehmer*innen. Sollten Sie nach Anmeldung doch nicht an der Fortbildung teilnehmen können, bitten wir um eine kurze Rückmeldung, damit der Platz anderweitig vergeben werden kann.

kostenfreie Veranstaltung